Statuta 1183 (Canivez - Band I)

1 Solemnia anniversaria stando praeter quatuor generalia nulla fiant, excepto a regis Ludovici, de quo concessum est, ut stando fiat tantummodo ibi, ubi sepultus est. Keine jährlichen Gedenkfeiern sollen stehend gehalten werden, außer den vier allgemeinen, mit Ausnahme der Gedenkfeier für König Ludwig, für die zugestanden wurde, dass sie stehend nur dort abgehalten wird, wo er begraben ist.
2 Sententia de cultellis acuminatis ante data firmiter teneatur. Die vorher erlassene Entscheidung über die spitzen Messer soll strikt eingehalten werden.
3 De fugitivis autem nihil novum instituti posse videtur sine periculo totius Ordinis. De his tamen qui in extremis agere videntur, in abbatis sit providentia, et ita in Usibus scribatur centesimo primo capitulo. Bezüglich der Flüchtigen scheint es keine neue Bestimmung ohne Gefahr für den gesamten Orden zu geben. Was jedoch diejenigen betrifft, die sich im Sterben zu befinden scheinen, so liegt die Entscheidung im Ermessen des Abtes, und es soll so im 101. Kapitel der Gebräuche festgeschrieben werden.
4 De his quibus Regula praecipit omnem reversionis aditum denegari, nos contra Regulam nihil audemus, nisi forte de indulgentia generalis Capituli, vel de mandato domini papae, seu legati eius, exceptis personis illis, quas ab huiusmodi rigore notoria simplicitas excipit. Bezüglich derjenigen, denen die Regel vorschreibt, jeglichen Rückweg zu verwehren, wagen wir nichts entgegen der Regel zu unternehmen, es sei denn, aufgrund einer Erlaubnis des Generalkapitels oder auf Anordnung des Herrn Papstes oder seines Legaten, mit Ausnahme jener Personen, deren offensichtliche Einfachheit sie von solcher Strenge ausnimmt.
5 A nominatim excommunicatis nullam nobis licet recipere donationem, exceptis victualibus in gravi necessitate. Es ist uns nicht erlaubt, von ausdrücklich Exkommunizierten irgendeine Spende anzunehmen, außer Nahrungsmitteln in schwerer Not.
6 Qui convictus fuerit aut confessus fuerit publicea de sortilegio quod fecerit, aut fieri fecerit: si abbas fuerit vel prior, deponatur; si monachus vel conversus tribus diebus sit in gravi culpa, et per annum suspensus ab altari, sit omnium ultimus. Wer überführt oder öffentlich gestanden hat, Zauberei begangen oder veranlasst zu haben: Wenn er Abt oder Prior ist, soll er abgesetzt werden; wenn er Mönch oder Konverse ist, soll er drei Tage lang in schwerer Schuld sein und für ein Jahr vom Altar suspendiert sein, als der Letzte von allen.
7 De iuramento conversorum, quod scriptum est in fine Usuum, quia multas generat quaestiones, deleatur. Das in den Gebräuchen am Ende enthaltene Gelübde der Konversen, das viele Fragen aufwirft, soll gestrichen werden.
8 Abbates qui de indulgentia generalis Capituli uno anno vel pluribus remanent, si eo anno quo debent venire, gravi infirmitate impediuntur ne veniant, liceat eis se per litteras excusare, et anno sequenti sine omni excusatione veniant, et veniam inde petant. Äbte, die aufgrund einer Erlaubnis des Generalkapitels ein Jahr oder länger abwesend sind, dürfen sich im Jahr ihrer Rückkehr aufgrund schwerer Krankheit durch Briefe entschuldigen. Im folgenden Jahr jedoch sollen sie ohne Entschuldigung kommen und um Verzeihung bitten.
9 Patres abbates, vel qui pro eis visitant, abbatibus non imponant publicas paenitentias, quia hoc solius Capituli generalis est. Die Vateräbte oder diejenigen, die in ihrem Namen visitieren, sollen den Äbten keine öffentlichen Bußen auferlegen, denn dies ist ausschließlich Sache des Generalkapitels.
10 Conversi qui in domibus iuxta abbatiam sitis extra terminos habitant et laborant, iuxta pristinam consuetudinem in ipsis domibus comedant, nec id liceat abbatibus mutare. Konversen, die in Häusern außerhalb der Abtei leben und arbeiten, sollen gemäß der früheren Gewohnheit in denselben Häusern essen, und es soll den Äbten nicht erlaubt sein, dies zu ändern.
11 Conspiratores, incendiarii, fures, proprietatem habentes, annis singulis in Ramis palmarum post habitum sermonem, illis qui non sunt de Ordine prius emissis, ab eo qui praeest capitulo cum stola et candela accensa auctoritate Dei omnipotentis Patris, et Filii, et Spiritus Sancti, et beatae Mariae et omnium sanctorum, et totius Ordinis, excommunicentur. Et si culpa huiusmodi manifeste fuerit deprehensa, nulla inde satisfactio suscipiatur sine gravi culpa. Verschwörer, Brandstifter, Diebe und diejenigen, die Eigentum besitzen, sollen jedes Jahr am Palmsonntag, nach der Predigt, nachdem die Anwesenden, die nicht dem Orden angehören, entlassen wurden, von demjenigen, der dem Kapitel vorsteht, mit Stola und brennender Kerze im Namen Gottes, des Allmächtigen Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, der seligen Maria, aller Heiligen und des gesamten Ordens exkommuniziert werden. Und wenn eine solche Schuld eindeutig festgestellt wurde, soll keine Wiedergutmachung ohne schwere Buße angenommen werden.
12 Caveant abbates, ne ipsi vel monachi eorum aliquando utantur casulis olosericis in monasteriis nostriS. Qui autem scienter uti praesumpserit, ea die ieiunet in pane et aqua; similiter sacrista vel alius monachus qui tale ornamentum scienter ministraverit. Die Äbte sollen darauf achten, dass weder sie noch ihre Mönche jemals Seidenkaseln in unseren Klöstern verwenden. Wer wissentlich wagt, sie zu benutzen, soll an diesem Tag bei Brot und Wasser fasten, ebenso der Sakristan oder ein anderer Mönch, der wissentlich ein solches Gewand bereitgestellt hat.
13 Deposita ultra centum solidos in domibus nostris non suscipiantur sine conscientia ad minus trium fratrum, et ad iussum abbatis, et sub eorum testimonio reddantur et sub tali conditione suscipiantur, ut si contigerit amitti, domus inde non teneatur. Nihilominus abbas provideat studiose, quomodo commissa fideliter custodiantur. Qui autem sub ista conditione deponere noluerit, ipse sibid custodiat. Qui autem hoc anno scienter transgressi sunt, abbas, cellerarius, et alii officiales, quorum consilio factum est, tribus sextis feriis ieiunent in pane et aqua; et abbas postquam redierit a Capitulo, infra triginta dies ad portam suam decem solidos pro hac transgressione pauperibus faciat distribui. Einlagen, die über 100 Solidi hinausgehen, sollen in unseren Häusern nicht ohne das Wissen von mindestens drei Brüdern angenommen werden, und nur auf Anweisung des Abtes. Sie sollen unter ihrem Zeugnis zurückgegeben und unter der Bedingung angenommen werden, dass, falls sie verloren gehen, das Haus dafür nicht haftet. Dennoch soll der Abt sorgfältig dafür sorgen, dass die ihm anvertrauten Dinge treu bewahrt werden. Wer sich nicht unter dieser Bedingung auf eine Einlage einlassen möchte, soll seine Dinge selbst bewachen. Diejenigen, die dies im vergangenen Jahr wissentlich übertreten haben, der Abt, der Cellerar und die anderen Amtsträger, in deren Rat dies geschehen ist, sollen an drei Freitagen bei Brot und Wasser fasten. Der Abt soll nach seiner Rückkehr vom Kapitel innerhalb von dreißig Tagen zehn Solidi an der Klosterpforte an die Armen für diesen Verstoß verteilen.
14 In lenis artificiose fiunt varietates colorum in monasteriis nostris; quod ne ulterius fiat modis omnibus prohibemus; sed si contigerit quod fimbrias tinctas emerint, non nisi unius coloris in una lena ponant. In unseren Klöstern werden in Wolle künstlich Farbabstufungen hergestellt; dies verbieten wir in jeglicher Weise. Wenn jedoch Fransen mit Farbe gekauft werden, sollen sie auf einer Wolle nur in einer Farbe verwendet werden.
15 Monachi vel conversi in conventu nisi bis nullo a tempore comedant. Mönche oder Konversen sollen im Konvent nicht mehr als zweimal am Tag essen.
16 Nulli conventui Ordinis nostri liceat aliquam pitantiam quacumque occasione quasi de iure expetere, sed in abbatis dispositione consistat, qui secundum conscientiam suam provideat ne quid immoderate vel inhoneste fiat. Keinem Konvent unseres Ordens ist es erlaubt, unter welchem Vorwand auch immer, eine Pitanz als Recht zu verlangen; dies soll in der Verantwortung des Abtes liegen, der nach seinem Gewissen vorsorgt, dass nichts Unmäßiges oder Unangemessenes geschieht.
17 Quando duae missae fiunt in conventu, provideat abbas quantum potest secundum numerum fratrum suorum, ne claustrales nimis evagentur, et districte corrigat quos invenerit excedentes. Wenn zwei Messen im Konvent abgehalten werden, soll der Abt nach der Anzahl seiner Brüder dafür sorgen, dass die Klosterinsassen nicht zu sehr herumwandern, und er soll diejenigen, die dies übermäßig tun, streng bestrafen.
18 Sententia de tabernis, sicut superiori anno temperata est, teneatur. Die Entscheidung über die Tavernen, wie sie im letzten Jahr abgeschwächt wurde, soll beibehalten werden.
19 De domino Guillelmo remensi archiepiscopo, Bela regi ungarie et domino Henrico bituricensi archiepiscopo et domino Odoni fratri suo et domino Guidoni senonensi archiepiscopo concessum est audito eorum obitu in generali Capitulo fiat pro unoquoque eoruun quantum pro fratribus nostris. Für Herrn Wilhelm, Erzbischof von Reims, König Béla von Ungarn, Herrn Heinrich, Erzbischof von Bourges, Herrn Odo, seinen Bruder, und Herrn Guido, Erzbischof von Sens, wurde beschlossen, dass, sobald ihr Tod im Generalkapitel bekannt wird, für jeden von ihnen die gleichen Gebete abgehalten werden wie für unsere Brüder.
20 In quibusdam domibus passim et nimis facile dantur carnes. Eapropter monemus ut in hoc abbates conscientius provideant firmiterque authoritatem regule observent, que tantum infirmis omninoque debilibus carnes indulget. In einigen Häusern werden Fleischspeisen allzu oft und zu leichtfertig ausgegeben. Daher mahnen wir die Äbte, in dieser Angelegenheit nach ihrem Gewissen vorzugehen und die Autorität der Regel strikt zu beachten, die Fleisch nur den Kranken und Schwachen erlaubt.
21 In commemoratione defunctorum post comitem Theobaldum scribatur nomen Henrici regis Anglie et nomen monachorum sancti Melani Redonensis. Willelmo comiti Alvernie concessum est sicut uni de nostris. Beim Gedenken der Verstorbenen soll nach dem Grafen Theobald der Name König Heinrichs von England und der Name der Mönche von Notre-Dame-en-Saint-Melaine in Rennes (OSB) eingetragen werden. Für Wilhelm, den Grafen der Auvergne, wurde es gestattet, wie für einen unserer eigenen Brüder zu beten.