Statuta 1180 (Canivez - Band I)

1 Cum divina pariter et humana verba nos admoneant, ut studeamus cupiditatibus nostris imponere frenum, et modum acquisitionibus nostris propter varios status monasteriorum, adhuc veremur necessitatem fratribus nostris imponere, optantes bonum eorum voluntarium esse, et diuturna deliberatione super hoc credimus opus fore. Interim autem propter scandalum gravius, quod super retentione decimarum undique crescit in dies, providemus et firmiter praecipimus, ut quicumque ex vobis ab hoc die, et deinceps acquisierit agros vel vineas, ex quibus ecclesiae vel monasteria, seu personae quaelibet ecclesiasticae percipere hactenus decimas consueverant, sine contradictione exsolvant, nisi forte iam donationem exinde receperunt, vel compositionem fecerunt, aut in posterum in pace acquirere poterunt. Da sowohl göttliche als auch menschliche Worte uns ermahnen, danach zu streben, unseren Begierden Einhalt zu gebieten und Maß in unseren Erwerbungen zu halten, auch wegen der unterschiedlichen Zustände der Klöster, fürchten wir noch, unseren Brüdern eine Notwendigkeit aufzuerlegen. Wir wünschen, dass ihr Wohl freiwillig sei, und nach langer Überlegung glauben wir, dass dies eine Aufgabe ist, die Zeit benötigt. Doch inzwischen, um dem schwereren Ärgernis vorzubeugen, das sich bezüglich des Zurückhaltens von Zehnten immer weiter ausbreitet, bestimmen wir vorsorglich und befehlen mit Nachdruck, dass jeder von euch, der ab diesem Tag und in Zukunft Felder oder Weinberge erwirbt, von denen bisher Kirchen, Klöster oder andere kirchliche Personen Zehnten zu erhalten pflegten, diese ohne Widerspruch entrichtet, es sei denn, er hat bereits eine Schenkung diesbezüglich erhalten oder eine Vereinbarung getroffen, oder er wird sie in Frieden in Zukunft erwerben können.
2 Multitudinem minutorum non licet priori, quasi ad consolandum, vocare, propter inordinatas collocutiones, nec quando absens est abbas. Es ist dem Prior nicht erlaubt, eine Menge der zur Ader gelassenen Möche zusammenzurufen, als ob es zu ihrem Trost diene, wegen ungeordneter Gespräche, und dies gilt auch, wenn der Abt abwesend ist.
3 Abbati qui benedicendus est, licet indui alba et cappa. Es ist dem Abt, der geweiht werden soll, erlaubt, ein Albe und eine cappa zu tragen.
4 Qui in domibus alterius Ordinis comedunt, si credunt in pulmentariis esse sagimen, ab eis prorsus abstineant. Si contra conscientiam comederint, septem sextis feriis ieiunent in pane et aqua, et si in consuetudinem vertant, gravius puniantur. Diejenigen, die in den Häusern eines anderen Ordens essen, sollen sich, wenn sie glauben, dass in den Speisen Schweinefett enthalten ist, davon völlig fernhalten. Wenn sie gegen ihr Gewissen essen, sollen sie an sieben aufeinanderfolgenden Freitagen bei Brot und Wasser fasten, und wenn dies zur Gewohnheit wird, sollen sie strenger bestraft werden.
5 In oratoriis nostris non sepeliantur, nisi reges et reginae et episcopi; in capitulis abbates vel etiam praedicti, si maluerint. In unseren Oratorien sollen nur Könige, Königinnen und Bischöfe beerdigt werden; in den Kapiteln die Äbte oder auch die genannten Personen, wenn sie es vorziehen.
6 Altaria in grangiis nova non fiant. Antiqua quae consecrata fuerint absque licentia episcopi non diruantur, verumtamen nullatenus ibi cantetur. Es sollen keine neuen Altäre in Grangien errichtet werden. Alte, die geweiht wurden, dürfen ohne Erlaubnis des Bischofs nicht abgerissen werden, jedoch soll dort unter keinen Umständen gesungen werden.
7 Mercatores Ordinis nostri terminum receptionum, sive redditionum suarum in nundinis publicis nullo modo constituant. Die Händler unseres Ordens sollen keinen festen Termin für den Empfang oder die Rückgabe ihrer Waren auf öffentlichen Märkten festlegen.
8 Inquietant multi ex nobis monachi sive a conversi conventus alios servitia propria in morte sua petentes; tales petitiones ultra non fiant, quia omnia communia sunt nobis. Viele von uns, Mönche oder Konversen des Konvents, beunruhigen andere, indem sie für ihren Tod besondere Dienste erbitten; solche Bitten sollen in Zukunft nicht mehr gemacht werden, da uns alles gemeinsam gehört.
9 De fugitivis suis unusquisque abbas non dissimulet iustitiam quaerere. Jeder Abt soll nicht zögern, Gerechtigkeit für seine Flüchtigen zu suchen.
10 Quando a laborant monachi ad grangias ubi vinum vel cervisia dari non solet similiter ipsi abstineant, quamdiu ibi fuerint, nullam pitantiam potus accipientes ab aliquo. Wenn die Mönche in den Grangien arbeiten, wo gewöhnlich weder Wein noch Bier ausgeschenkt wird, sollen sie sich ebenfalls enthalten, solange sie dort sind, und keinerlei Pitanzen von irgendjemandem annehmen.
11 Conversi non in grangiis, sed in abbatia minuantur. Die Konversen sollen nicht in den Grangien, sondern im Kloster vermindert werden.
12 Qui guagerias receperunt, si sciunt sortem suam recepisse, deductis expensis, usque ad Pascha eas resignent, nisi sit possessio quae ad ius monasterii pertineat. Qui aliter retinuerint, ex tunc abbas et prior et cellerarius a divino officio sint suspensi, nec census impositione pallient huiusmodi pignorationes. Diejenigen, die Lehen erhalten haben, sollen, wenn sie wissen, dass sie ihren Anteil erhalten haben, abzüglich der Ausgaben bis Ostern zurücktreten, es sei denn, es handelt sich um einen Besitz, der zum Recht des Klosters gehört. Diejenigen, die dies anders handhaben, sollen fortan der Abt, der Prior und der Cellerar vom Gottesdienst suspendiert werden, und sie sollen sich nicht durch auferlegte Abgaben entschuldigen, um solche Verpfändungen zu rechtfertigen.
13 In domibus nostris et villis ubi conversi morantur frequentius, non habitet femina, nec intret. In unseren Häusern und Dörfern, wo sich häufig Konversen aufhalten, soll keine Frau wohnen oder eintreten.